"Deckelung der Gehälter wäre überlegenswert" | hochschulenhoch3

„Deckelung der Gehälter wäre überlegenswert“

5. Juli 2017 – Ludwig Hierl, Professor für Rechnungswesen und Controlling an der dualen Hochschule in Heilbronn, hat die Befürchtung geäußert, die TSG Hoffenheim könnte von der Uefa Probleme bekommen. Grund: Dietmar Hopp hat zu viele Verluste ausgeglichen. Der Finanzexperte hat dafür Kritik von Hoffenheims Mehrheitsgesellschafter einstecken müssen. Im Interview mit der Heilbronner Stimme spricht er über Hoffenheim, Financial Fairplay, RB Leipzig und Gehaltsobergrenzen.

Herr Hierl, Dietmar Hopp hat Sie bei der Vorstellung des neuen Geschäftsführers Hans-Dieter Flick scharf kritisiert: Sie seien ein angeblicher Experte, der über Financial Fairplay schwadroniere und es nicht verstanden habe.

Hierl: Wenn jemand wie Herr Hopp, den ich im Übrigen sehr schätze, so etwas sagt, dann trifft das einen natürlich. Allerdings scheine ich hier durchaus einen wunden Punkt getroffen zu haben, sonst hätte er das Ganze argumentativ inhaltlich widerlegt und nicht so emotional reagiert. Fakt ist: Hoffenheim hat in den drei Spielzeiten 2012/13, 13/14 und 14/15 insgesamt ein Minus von knapp 56 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies ist den öffentlich zugänglichen Jahresabschlüssen quasi schwarz auf weiß zu entnehmen. Dietmar Hopp hat diese Verluste als Gesellschafter nahezu vollständig ausgeglichen. Im Sinne der Uefa-Regularien ist das zumindest bedenklich, denn laut Financial Fairplay sollen Clubs im Rahmen ihrer Einnahmen wirtschaften und keine Defizite erwirtschaften, die dann von Investoren ausgeglichen werden müssen.

Wurde jüngst von Herrn Hopp weiter in die TSG investiert?

Hierl: Gemäß der vorliegenden Abschlüsse hat Dietmar Hopp bereits 2011 die letzte bedeutende Eigenkapitalerhöhung durchgeführt. Seine Einlage hat sich dann wie bereits die Jahre zuvor wieder schrittweise durch Verlustübernahmen reduziert. Er hat also insofern recht, dass er in den letzten Jahren nichts mehr investiert hat.

Für den Laien ausgedrückt: Das ist, wie wenn man von einem Erbe zehrt, das immer kleiner wird. Was aber nicht verwerflich oder justiziabel ist.

Hierl: Korrekt. Ein Anlass, nervös zu werden, besteht aus meiner Sicht daher nicht (mehr), weil die Uefa in Gesprächen wohl bereits signalisiert hat, dass es keine Sanktionen geben wird. Im Vergleich mit den Verlustübernahmen durch die Anteilseigner von Manchester City oder Paris Saint-Germain, wo die Scheichs über mehrere Jahre Kapitalerhöhungen von bis zu 200 Millionen Euro durchführen mussten, sind die Verluste in Hoffenheim in der Tat gering, aber eben zunächst bedenklich gemäß Uefa-Kriterien. Hopp stellt Hoffenheim gerne weiter als kleinen Club dar, dabei ist man mittlerweile ein Großkonzern.

In den vergangenen beiden Geschäftsjahren dürfte Hoffenheim Gewinn gemacht haben, denn Spieler wie Roberto Firmino und Kevin Volland wurden für viel Geld verkauft. Insofern wird sich Hoffenheim aktuell in Sachen Financial Fairplay im grünen Bereich bewegen. Zudem ist Hopps Geld auch in den Nachwuchsbereich geflossen, was auch nicht unter das Financial Fairplay fällt.

Hierl: Die aktuellsten Ergebnisse sind wohl positiv, stehen aber über den Bundesanzeiger noch nicht zur Verfügung, deshalb kann ich sie nicht in die Bewertung einbeziehen. Herr Hopp hätte darauf in der Pressekonferenz hinweisen können. Ich denke auch, dass Hoffenheim sich zwischenzeitlich selbst trägt, und genau das war ja immer schon das Ziel von Dietmar Hopp.

Was halten Sie von Gehaltsobergrenzen?

Hierl: Im amerikanischen Profisport, etwa der NBA, NFL, NHL, gibt es diesen Ansatz, auch um für einen ausgeglicheneren Wettbewerb zu sorgen. Warum hat Dirk Nowitzki in den vergangenen Jahren bei den Dallas Mavericks auf Geld verzichtet? Damit er stärkere Spieler um sich hat und das Team dadurch insgesamt gestärkt werden kann. Das Gehalt eines Profi-Fußballers hat sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu versiebenfacht. Eine Deckelung der Gehälter für jedes Team, aber auch für die einzelnen Spieler wäre daher überlegenswert.

Sind denn die Vereine bereit für eine Gehaltsobergrenze?

Hierl: Mehrheitsfähig dürfte das derzeit noch nicht sein. Es muss wohl erst der Punkt erreicht werden, an dem sich die Masse der Fans vom Fußball abwendet.

Steuern wir denn auf das Platzen einer Finanzblase im Fußball hin?

Hierl: Wenn Sie das als These aufstellen, dann kann ich das zumindest nicht widerlegen. Wachstumsgrenzen gelten meiner Meinung nach auch für den Fußball, aber vielleicht haben wir in zehn Jahren auch Milliardentransfers und Jahresgehälter von bis zu 100 Millionen Euro im Jahr.

 

Text: Florian Huber, Fotos: Florian Huber, dpa

Zur Person

In seinem Büro hängt ein Foto des Champions-League-Siegers des Jahres 2013. Ludwig Hierl sympathisiert mit dem Rekordmeister aus seiner Heimat Bayern, der 43-Jährige stammt aus Regensburg. Der Professor für externes Rechnungswesen und Controlling an der dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn ist Autor des Fachbuches "Bilanzanalyse von Fußballvereinen: Praxisorientierte Einführung in die Jahresabschlussanalyse".