10 Jahre BWL-Food-Management an der DHBW Heilbronn | hochschulenhoch3

Duale Hochschule Heilbronn feiert zehn Jahre Food Management

20. September 2017 – Sie haben mehr als Gemüse im Kopf: Mit nur 21 Studierenden startete der Studiengang Food Management am Campus Bad Mergentheim der Dualen Hochschule Mosbach. Mit dem Umzug nach Heilbronn auf den Bildungscampus kam der Durchbruch. Heute sind es 150 Studienanfänger im Jahr.

Anfangs wurde sie nicht nur im Stuttgarter Wissenschaftministerium belächelt. Als die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) 2006/07 einen Studiengang BWL Food Management (FM) gründen wollte, rief das Spötter auf den Plan: Sollte das eine Art Kochclub werden, unterstützt von Kulinarik-Berühmtheiten wie Otto Geisel und Eckart Witzigmann?

Etabliert und hochgeschätzt

Mit 21 Erstsemestern startete in Bad Mergentheim die akademische Auseinandersetzung mit Essen und Trinken. Zehn Jahre und 675 Absolventen später ist dieses Food Management in der Lebensmittelbranche etabliert und hochgeschätzt. So gut etabliert, dass die Food-Spezialisten sich mit genussvollem Understatement als Jubiläumsgabe ein Kochbuch leisten. Titel: "Das leckerste Studium der Welt." Über den Kochclub feixt heute keiner mehr.

Essen und Trinken ist mehr

Rektorin Nicole Graf, die zu den Gründungsmüttern von FM gehört, versetzt das fachkundige Publikum beim Symposium in die Jahre nach der Jahrtausendwende, in eine kulinarische Wüste, in der ein Lebensmittelskandal den nächsten jagte. "Massentierhaltung, Antibiotika, Gammelfleisch, BSE, das war 2000", sagt sie. Gesunde Ernährung galt als Selbstkasteiung der Müsli- und Birkenstockfraktion. "Essen war nicht so im Fokus", ernährungswissenschaftliche Studiengänge wurden abgebaut.

Die Basis ist BWL

Und da kam die DHBW und hatte die Idee, einen völlig neuen betriebswirtschaftlichen Studiengang aufzulegen. Auf solider kaufmännischer Grundlage sollte kulturelles und ernährungswissenschaftliches Wissen vermittelt werden. Food Management wollte Ökonomie und Verantwortung, Kulinarik und Nachhaltigkeit zusammenbringen.

Die Resonanz war gut, wurde mit dem Umzug auf den Heilbronner Bildungscampus besser, allmählich wird sie überwältigend. Anfangs hatten die Food-Manager zwölf duale Partnerbetriebe, jetzt sind es 300. Aus gut 20 Studienanfängern sind dieses Jahr 150 geworden. "Wir könnten locker mit 300 Studierenden starten", beschreibt Nicole Graf das Interesse der jungen Leute und der Betriebe an FM. Auch für sie soll das DHBW-Angebot in Heilbronn weiter ausgebaut werden. FM deckt einen enormen Bedarf in Agrarproduktion, Verarbeitung von Lebensmitteln, in Handel, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, selbst in kleinen Unternehmen.

Erfahrungen von Absolvent und Student

Noa Fischer (29) sitzt bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall fest im Sattel. Schon als Koch in Mamas Küche war ihm klar, dass er "was mit Lebensmittel" lernen will. Er googelte, fand FM und machte vorab eine Lehre als Hotelkaufmann. Heute ist er Teamleiter Gastronomievertrieb. Auch nach einer Kochlehre wird gern Food Management studiert - daher das Kochbuch mit 26 Rezepten aus 26 Kursen. Viktor Frederik Brandt (24) hat im Schlosshotel Friedrichsruhe Kochkunst gelernt. Jetzt holt er sich den akademischen Schliff. Er liebt sein neues Wissen. "Da muss man sich von Lieferanten nicht mehr bluffen lassen."

Praxis und Theorie

Alle dualen Studierenden haben ihre Firma im Hintergrund, Praxisbezug ist also garantiert. Und doch setzt Food Management ganz bewusst auf praktische Elemente. Vorlesungen sind schön und gut, aber Exkursionen, Projekte, persönliches Engagement der Studierenden und häufige Nutzung der sechs Labore im Sensoricum stärken den Praxisbezug. So war das Kochbuch „Das leckerste Studium der Welt“ ein studentisches Projekt. Neu ist die Lehrfirma Culinary Coffee, eine Kaffeegenossenschaft, die zurzeit in Gründung ist.

Text: Gertrud Schuber, Foto: Dennis Mugler