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„Wer studiert, arbeitet Vollzeit“

7. September 2017 – Ende September startet an den Hochschulen das neue Semester. Eine aufregende Zeit für alle Erstsemester: Raus von Zuhause in eine neue Stadt und neue Leute kennenlernen. Student Christopher Wilms (22) gibt Tipps für die Neuen an den Hochschulen, wie man das erste Semester meistert.

 

Welche Dinge braucht man unbedingt in einer Studentenbude?

Christopher Wilms: Das Zimmer im Wohnheim enthält bereits Bett, Schrank, Stuhl und Tisch. In der Küche gibt es einen Herd und einen Kühlschrank. Man braucht also auf jeden Fall Bettzeug und Geschirr.

Was haben Sie dafür ausgegeben?

Christopher Wilms: Fürs Bettzeug – Kissen, Decke, Bettbezug – habe ich im Set 50 Euro bezahlt. Für den Küchenbedarf habe ich nichts ausgegeben.

Sie haben alles umsonst gekriegt?

Christopher Wilms: Ja, von meiner Familie. Am besten fragt man in der Verwandschaft rum: Wer hat überschüssiges Geschirr? Ein Bügeleisen, ein Bügelbrett und die Kaffeemaschine habe ich von meiner Familie. Außerdem teile ich vieles mit meinem Mitbewohner. Der ist aber ausgezogen – jetzt bin ich vorübergehend alleine. Je weniger Leute in einer WG leben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man alles selber besorgen muss.

Zum Thema Kochen. Was kommt bei Ihnen auf den Teller?

Christopher Wilms: Günstig fährt man, wenn man simple Sachen kocht: Kartoffeln, Eier oder Nudeln. Eintöpfe sind günstig, Fleisch ist teuer. Es sind eher die Methoden als die Zutaten, die man beherrschen sollte.

Nach dem Essen ist vor dem Spülen...

Christopher Wilms: Ich spüle nach dem Essen gleich ab – wenn man nur einen Topf hat, braucht man ihn bald wieder. Es gibt hier keinen Platz zum Stapeln.

Wer putzt in der WG?

Christopher Wilms: Beide natürlich! In einer WG müssen sich alle etwas zurücknehmen, damit es funktioniert. Man muss akzeptieren, dass der eine eine Putzfee ist und der andere es nicht so genau nimmt. Wir haben geschaut, ob das klappt und kommen ohne Putzplan zurecht.

Was ist besser: Wohnheim, WG oder Einzelzimmer?

Christopher Wilms: Günstiger als im Studentenwohnheim lebt man nirgends, und hier wohnen Mitstudenten. Beim Studentenwerk kann man sich einfach für einen Platz bewerben. Den hat man für die Regelstudienzeit – und kann ihn unter Umständen verlängern, wenn das Studium länger dauert. Der Hausmeister sorgt für Ordnung. Kehrwoche gibt es nicht.

Wo lässt sich sparen?

Christopher Wilms: In Wohnheimnähe liegen mehrere Discounter. Ich meide die Mensa und koche lieber am Abend mehr. Das kann ich am nächsten Mittag schnell aufwärmen. Wenn man im Krankenkassentarif seiner Eltern bleibt, zahlt man nicht extra.

Wo lauern Kostenfallen?

Christopher Wilms: Man sollte nicht zu oft ins Restaurant gehen. In Heilbronn gibt es eine große Vielfalt in der Gastronomie, das lädt schon zum Schlemmen ein. Außerdem sind Clubs und Kinos in Heilbronn teuer.

Wie viel kostet das Studentenleben?

Christopher Wilms: Ich zahle rund 300 Euro Miete. Im günstigsten Fall gebe ich 420 Euro pro Monat aus. Von meinen Eltern erhalte ich etwas mehr, so dass es gut reicht. BAföG beziehe ich nicht, dazu ist das Einkommen meiner Eltern zu hoch. Ich führe kein Haushaltsbuch, denn ich schaue früh, ob das Geld reicht.

Jobben Sie?

Christopher Wilms: In den ersten Semestern war so viel Unterricht, da ging das gar nicht. Wer studiert, arbeitet Vollzeit. Nun werden aber die Fächer weniger, und ich will als Werksstudent anfangen. Das ist optimal, denn man arbeitet im späteren Beruf, kann auf sich aufmerksam machen und das Gelernte anwenden. Meistens werden Werksstudenten auch besser bezahlt als Regaleinräumer.

Was ist hier am Wochenende los?

Christopher Wilms: Ich bin nicht wirklich der Party-Typ – und das ist gut, denn das Partyangebot in Heilbronn ist mau, verglichen mit München. Ich mache oft mit den Kollegen was aus. Vor dem Wohnheim gibt es Sitzgruppen, da grillen wir. Außerdem gibt es schöne Biergärten hier.

Welche Termine darf man im ersten Semester nicht verpassen?

Christopher Wilms: Auf keinen Fall die Prüfungsanmeldung. Wer im Wohnheim lebt, muss rechtzeitig die Studienbescheinigung fürs neue Semester vorlegen. Und die Bücher in der Bücherei muss man rechtzeitig bestellen. In der Prüfungsphase sind sie oft früh vergriffen.

 

Text und Foto: Torsten Büchele


Zur Person

Christopher Wilms (22) studiert im dritten Semester Robotik und Automation an der Hochschule Heilbronn. Der Bachelor-Student stammt aus München und hat nach dem Abitur zunächst einen freiwilligen Wehrdienst absolviert. Wilms wohnt direkt am Campus Sontheim. Er lebt in einer Zweier-WG im Studentenwohnheim in der Max-Planck-Straße. Es ist mit 239 Betten das größte Heim des Studierendenwerks Heidelberg in Heilbronn.