Warum Frauen shoppen und Männer einkaufen gehen | hochschulenhoch3

Warum Frauen shoppen und Männer einkaufen gehen

30. November 2016 – Im Rahmen des GenSity-Projekts der DHBW Heilbronn startete die Vortragsreihe für Studentinnen. Mit dem Projekt fördert die duale Hochschule junge Frauen als Nachwuchskräfte. Während des gesamten Studienjahres finden Vorträge zum Thema Diversity Management statt. Am 15. November war Referentin Nicola Fritze an der Reihe. In ihrem Vortrag sprach sie über Rollenklischees  und zeigte Alternativen, besser miteinander zu kommunizieren. Mit Hochschulenhoch3 sprach sie über dieses Thema.

Hochschulenhoch3: Frau Fritze, der Titel Ihres Vortrags lautet „Warum Frauen shoppen und Männer einkaufen gehen“. Warum haben Sie ihn so gewählt?

Nicola Fritze: Der Titel bringt die Unterschiedlichkeit zwischen beiden Geschlechtern auf den Punkt. Kaum ein Mann sagt, dass er shoppen geht. Er geht einkaufen. Frauen hingegen gehen shoppen. Sie verabreden sich auch mit einer Freundin zum Shoppen – Männer verabreden sich eher selten mit ihren Kumpels zum Einkaufen. Hier zeigen sich die Unterschiede in der Sprache, was sich im Verhalten widerspiegelt. Wenn Männer etwas Neues zum Anziehen brauchen, gehen sie los und suchen genau nach diesem Teil. Frauen gehen auch mal einfach so in die Stadt, selbst wenn sie gerade nichts Neues brauchen.

Hochschulenhoch3: Wie unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Kommunikationsmuster von Männern und Frauen?

Nicola Fritze: Ich benutze bei Männern gerne die Metapher einer Leiter, bei Frauen die eines Netzes. Männer kommunizieren sehr strukturiert und hierarchisch, ein Thema nach dem anderen. In der Geschäftswelt sind sie stets ergebnis- und lösungsorientiert. Frauen dagegen führen Gespräche stärker auf Augenhöhe, für sie hängt alles irgendwie miteinander zusammen. Im Unternehmen sind sie eher prozessorientiert, möchten alle Beteiligten mit einbeziehen und sind um ein nettes Miteinander bemüht. Diese Unterschiede zeigen sich schon in der Intonation des Sprechenden: Männern sprechen monotoner, die Betonung fällt gegen Ende des Gesprochenen ab, ähnlich wie bei der Durchsage eines Piloten. Sie strahlen damit Kompetenz und Sicherheit aus. Frauen sprechen eher in sogenannten Girlandensätzen und machen kaum einen Punkt in der Betonung, vergleichbar mit einer Flugbegleiterin. Das suggeriert Sympathie. Wichtig ist: Es gibt keinen richtigen oder falschen Stil, jeder drückt etwas anderes aus.

Hochschulenhoch3: Worin sehen Sie die Ursachen für diese Unterschiede?

Nicola Fritze: Es gibt zwei Ansätze: Biologisch gesehen gibt es zwölf anatomische Unterschiede des männlichen und weiblichen Gehirns. Das Gehirn von Frauen ist zum Beispiel kleiner, dafür hat es elf Prozent mehr neuronale Verbindungen als das von Männern. Was genau diese Unterschiede bewirken, wissen wir nicht. Aus soziokultureller Sicht beeinflusst unser Wissen über das Geschlecht einer Person unsere Wahrnehmung und unser Verhalten ihr gegenüber. Untersuchungen haben gezeigt: Legt man Versuchspersonen das Bild schreiender Babys vor und fragt nach möglichen Ursachen für die Unzufriedenheit, so heißt es bei dem schreienden Mädchen häufig: „Sie ist hilflos, traurig oder ängstlich.“ Bei Jungen hingegen: „Er ist wütend, bekommt seinen Willen nicht oder er ärgert sich.“ Beiden Geschlechtern werden andere Attribute zugeordnet.

Hochschulenhoch3: Welche Tipps geben Sie Frauen, die in einer männergeprägten Arbeitswelt Karriere machen möchten?

Nicola Fritze: Sie sollen klare Aussagen machen, das heißt einen direkten Sprachstil ohne Weichmacher wählen, sich stärker auf die Lösung als auf den Prozess fokussieren und betont sachlich sprechen. Den Frauen muss bewusst sein: Sie tauchen in eine andere Kultur ein, auf die sie sich einstellen müssen. Sie können es so sehen: Wenn ich plane, für eine längere Zeit nach England zu fahren, sollte ich auch Englisch sprechen können.

Hochschulenhoch3: Das klassische Kommunikationsproblem unter Paaren: Sie fühlt sich von ihm nicht verstanden, er weiß nicht, was eigentlich das Problem ist. Was raten Sie?

Nicola Fritze: Ich denke Schwierigkeiten treten erst auf, wenn einer oder beide Partner kein Verständnis für das Anderssein des anderen aufbringen. Wenn man respektvoll und neugierig miteinander umgeht, wird man die Verschiedenheit als Bereicherung verstehen, an der sich beide Partner weiterentwickeln.

 

Interview: Sarah Arweiler, Foto: privat