Verschiedene Kompetenzen führen zum Ziel | hochschulenhoch3

Verschiedene Kompetenzen führen zum Ziel

13. Januar 2017 – Erfolgreiche Projektarbeit erfordert ein gut funktionierendes Team. Doch worin liegt das Geheimnis erfolgreicher Teams? Stephan Schmucker, Dozent an der Universität Hamburg, hat im Rahmen der Vortragsreihe Gensity der DHBW Heilbronn über den Zusammenhang zwischen personeller Diversität und Teamleistung referiert. Hochschulenhoch3 stand er zum Interview bereit.

 

 

Herr Schmucker, was sind die entscheidenden Merkmalsunterschiede einzelner Mitglieder eines Teams?

Stephan Schmucker: Die Diversity-Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der sogenannten biodemographischen Diversität in Teams, die in der Regel sofort wahrnehmbar ist, wie z. B. Unterschiede hinsichtlich der Merkmale Geschlecht, Alter oder ethnische Zugehörigkeit. Wichtig ist auch die fachliche Diversität: Sie ergibt sich aus Unterschieden im funktionellen Hintergrund, im Bildungshintergrund oder der Betriebszugehörigkeit. Diese Merkmale sind in aller Regel nicht sofort erkennbar und spielen daher bei neugegründeten Teams häufig erst zeitversetzt eine Rolle.

 

Worin zeichnen sich sogenannte Winning Teams aus?

Stephan Schmucker: Studien zeigen, dass die biodemographische Diversität die Teamleistung nicht signifikant beeinflusst. Diesen Punkt sollte man im Hinterkopf behalten, wenn z. B. wieder einmal von den ausnahmslosen Vorteilen von geschlechter- und altersgemischten Teams die Rede ist. Stattdessen scheint die fachliche Diversität eine bedeutendere Rolle für die Leistung von Teams zu spielen: Eine Zusammensetzung mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Funktionsbereichen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen wirkt tendenziell positiv auf die Teamleistung. Hochgradig innovative Teams zeichnen sich oft durch eine derartige Diversität aus: Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Wissen, Erfahrungen und Perspektiven kommen zusammen, um gemeinsam ein komplexes Problem zu lösen.

 

Richten wir unseren Blick auf die deutschen Hochschulen. Wie durchmischt sind die Studierenden?

Stephan Schmucker: Die Heterogenität der Studierenden an deutschen Hochschulen nimmt weiter zu. Unterschiedliche Studien, unter anderem auch vom Deutschen Studentenwerk, zeigen diese Entwicklung. Wir müssen zum Beispiel studieninteressierte Geflüchtete besser auf ein Studium in Deutschland vorbereiten. Der Weg an die Hochschule ist für sie oftmals sehr schwierig. An der Universität Hamburg wurde beispielsweise das Programm „UHH hilft – Studienorientierung für Geflüchtete“ ins Leben gerufen. Dieses Programm will geflüchteten Studieninteressierten helfen, den Weg in ein deutsches Regelstudium zu finden.

 

Sie haben ein Paper zu Diversity von Studierendengruppen geschrieben. Worum ging es da?

Stephan Schmucker: In einem Experiment an der Universität Hamburg wollten wir untersuchen, wie sich die Zusammensetzung von kleinen Studierendengruppen unterscheidet, wenn sie ihre Teampartner frei wählen können. Die Vergleichsgruppe waren quasi-zufällig zusammengesetzte Teams.

 

Was haben Sie herausgefunden?

Stephan Schmucker: Erstaunlicherweise wiesen die beiden Teamtypen hinsichtlich der meisten untersuchten Merkmale keine signifikanten Unterschiede auf. Insbesondere das Geschlecht, das Alter und der Bildungshintergrund waren keine relevanten Kriterien für die Auswahl der Teampartner. Sehr bedenklich ist jedoch die Tatsache, dass bei den freiwilligen Teams die deutschstämmigen Studierenden und die mit Migrationshintergrund weitgehend unter sich geblieben sind. Wenn man bedenkt, dass unsere Lebens- und Arbeitswelten kulturell immer vielfältiger werden und nun auch die ersten geflüchteten Studierenden an die deutschen Hochschulen gelangen, dann ist das nicht zu unterstützen. Vor allem auch wenn man berücksichtigt, dass eine große Vertrautheit unter den Teammitgliedern nicht zwangsläufig zu besseren Arbeitsergebnissen führt. In unserem Experiment kannten sich die Mitglieder der freiwilligen Teams viel besser als die Mitglieder in den quasi-zufälligen Teams. Interessanterweise wirkte sich dieser hohe persönliche Bekanntheitsgrad negativ auf die später gemessene Teamleistung aus.

 

Was würden Sie den Gleichstellungsbeauftragten an den Hochschulen raten, um Studierende mit unterschiedlichen Backgrounds am besten zusammenzubringen?

Stephan Schmucker: Meiner Meinung nach sollte sich die Gleichstellungsarbeit nicht nur mit dem Thema „Geschlecht“ beschäftigen. Es sollte vielmehr um eine breiter ausgelegte und gezielte Förderung von  Minderheiten gehen. Es geht mir insbesondere um die Gleichstellung von Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund und um eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Wichtig ist, dass Studierende selbst für das Thema „Diversity“ sensibilisiert werden. Ein Angebot von Diversity-Trainings oder auch interkulturellen Trainings kann hilfreich sein. Aber auch die Lehrenden müssen auf die Herausforderungen mit einer vielfältigen Studierendenschaft vorbereitet werden, um alltägliche Diskriminierungen im Lehrkontext wahrnehmen zu können. Im nächsten Schritt sollte es um die Vermittlung von diversitätsorientierten Lehr- und Lernmethoden gehen. So kann es sinnvoll sein, als Lehrender von Anfang an Einfluss auf die Zusammensetzung von Studierendengruppen zu nehmen, um beispielsweise die Bildung monokultureller Teams zu vermeiden.  Erst dann kann sich etwas verändern.

Zur Person

Dr. rer. pol. Stephan Schmucker, 40, ist Universitätsdozent in Teilzeit für Betriebswirtschaftlehre, insbesondere für Personal und Organisation an der Universität Hamburg. Er ist stellvertretender Gleichstellungsbeauftragter der WiSo-Fakultät. Darüber hinaus arbeitet er als Organisationsberater und Trainer für Unternehmen und Bildungsträger im In- und Ausland. Weitere Informationen: www.schmucker-consulting.com oder über info@schmucker-consulting.com.

Text: Sarah Arweiler, Foto: privat