Studium und Arbeit: Alles eine Typfrage | hochschulenhoch3

Alles eine Typfrage

3. August 2017 – Ein Komplettpaket aus Studium und Berufserfahrung – darin liegt der Vorteil dualer und berufsbegleitender Studienangebote. Wie ist es für Studierende, zu lernen und zu arbeiten? Hochschulenhoch3 sprach mit Tamara Dannenberg, Ronnja Stieber und Moataz Adam. Sie studieren an den Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn und Mosbach und an der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn.

„Man muss der Typ dafür sein.“

Tamara Dannenberg studiert an der DHBW Heilbronn BWL-Dienstleistungsmanagement. „Ich komme mit dem Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphase super zurecht, es ist perfekt für mich“, sagt sie. Aber: Man müsse auch der Typ dafür sein. „Sobald ich am Bildungscampus bin und studiere, bin ich Studentin. Wenn ich arbeite, dann Angestellte.“

Über ihren Lehrer am Wirtschaftsgymnasium wurde sie auf das duale Studium aufmerksam. Sie findet dieses Studienmodell interessant, zusammen mit einer Freundin schaut sie sich die DHBW in Heilbronn an. „Der Bildungscampus hat mir total gut gefallen. Dort wollte ich hin.“ Die Meinung der 22-Jährigen: Wer nur Theorie studiert, kann noch nicht viel. „Arbeiten gehört einfach dazu. Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, habe ich gleichzeitig auch schon drei Jahre gearbeitet. Dann kann ich richtig loslegen und größere Aufgaben übernehmen.“

Abwechslung

Tamara ist sicher, dass sie sich mit ihrer Studienwahl richtig entschieden hat. „Die Studieninhalte passen zu mir, außerdem finde ich gerade die Abwechslung gut.“ In den kleinen Kursen traue man sich eher, den Finger zu heben und nachzufragen, als in einem großen Hörsaal mit mehr als 100 Studierenden.

Einen Nachteil sieht sie in dem Wechsel allerdings doch: Auf der Arbeit war sie in ein Projekt involviert. Als es mit der Umsetzung losging, musste sie an die DHBW. Tamara: „In diesem Fall war es nachteilig für den Betrieb.“ 

„Ich mag es, zu lernen und zu arbeiten.“

Von der Hauptschule an die DHBW Mosbach – Studentin Ronnja Stieber kann von sich sagen, dass sie sich hochgearbeitet hat. Sie studiert Maschinenbau-Verfahrenstechnik, Anfang September gibt sie ihre Bachelorarbeit ab. „Ich brauche etwas Handwerkliches, das liegt mir. Lange im Büro hocken ist nicht mein Ding.“

Warum kein klassisches Studium?

Abwechselnd zu lernen und zu arbeiten macht ihr nichts aus, sie empfindet es sogar als angenehm. „Ich mag es, zu lernen und zu arbeiten.“ Im Betrieb fühle sie sich als vollwertige Mitarbeiterin. An der dualen Hochschule gehe sie mit Kommilitonen feiern, „wie das die klassischen Studenten auch machen“. Zum Ende des Semesters stehe das Lernen im Fokus.

Fragt sie jemand, was sie beruflich macht – was antwortet sie? „Dass ich Studentin bin. Weil ich dann nicht so viel erklären muss.“ Bei weiteren Fragen würde sie ihr Studienmodell erklären. War für Ronnja ein klassisches Hochschulstudium keine Option? „Die Frage hat sich mir nie gestellt. Bei meinem Arbeitgeber habe ich schon eine Berufsausbildung gemacht. Da habe ich das duale Studium kennengelernt und mich schon frühzeitig für einen Studienplatz beworben.“

„Just do it.“

Moataz Adam ist Projektingenieur in Nürtingen. Parallel zu seinem Vollzeitjob absolviert er an der German Graduate School (GGS) in Heilbronn einen Master Innovations- und Technologiemanagement – genau das, wonach er gesucht hat. Sieht er sich eher als Student oder als Angestellter: Ganz klar, beides. Dennoch: Wird es zeitlich eng, fokussiert sich Moataz auf die Arbeit. „Immerhin werde ich dort bezahlt, ich habe eine Verpflichtung gegenüber meinen Kunden, für die ich verantwortlich bin.“ Sein Arbeitgeber erwarte den Masterabschluss nicht. Es war Moataz‘ eigene Entscheidung, sich an der GGS einzuschreiben. Moataz: „Ich habe Ziele, für die ich bereit bin, viel zu tun. “ Dennoch: Ein gutes Zeitmanagement sei „extrem wichtig“, um Vollzeitjob, Masterstudium und Familie unter einen Hut zu kriegen.

Prioritäten setzen

Neulich stand ein wichtiger Kundentermin an, gleichzeitig standen Klausuren kurz bevor. „In diesen Situationen überlege ich, was in der Prüfung abgefragt werden könnte und lerne gezielt dafür. Irgendwie muss ich mir meine knappe Ressource Zeit einteilen.“ Er gibt zu, so fordernd habe er sich das Studium parallel zum Job nicht vorgestellt.

Was motiviert ihn? „Ich weiß genau, die Anstrengung lohnt sich.“ Weniger der Abschluss sei entscheidend, sondern sich mit Kommilitonen zu Fachthemen auszutauschen. Neue Ideen, neue Sichtweisen. Moataz: „Manche Dinge lassen sich nicht mit Geld bewerten. Dieses Wissen bleibt einfach.“

Sein Tipp für alle, die, wie er, vor der Entscheidung stehen: Ein Masterstudium – zusätzlich zur Arbeit? „Man muss sich fragen: Will ich das wirklich? Wenn ja: Just do it. Argumente dagegen findet man immer.“

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos: privat

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist eine staatliche duale Hochschule. Das zentrale Merkmal ist ihr duales Studienkonzept: Studierende wechseln zwischen Theoriephasen an der Hochschule und Praxisphasen in den dualen Partnerunternehmen.  

Die German Graduate School of Management and Law (GGS) ist eine private, staatlich anerkannte Business School in Heilbronn. Sie bietet für Hochschulabsolventen ein berufsbegleitendes Masterstudium. Studiert wird an den Wochenenden.