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Finanzieller Druck bei Studierenden steigt

28. Juni 2017 – Studierende in Deutschland sind ein immer bunterer Haufen. Aber viele haben gemeinsam, dass sie sich mehr Geld für ihren Hochschulalltag und eine günstigere Bleibe wünschen. Denn oft ist das Bafög zu niedrig und die Miete zu hoch. Erkenntnisse der am Dienstag in Berlin veröffentlichten DSW-Studie mit 55 000 ausgewerteten Teilnehmer-Datensätzen im Überblick:

Wer studiert

Bei aller Vielfalt und Buntheit an den 370 Hochschulen in Deutschland – es gibt einige Durchschnittswerte: Alter 24 bis 25 Jahre, unverheiratet, in ein Vollzeitstudium eingeschrieben, 918 Euro pro Monat zur Verfügung. Doch mehr als ein Viertel muss mit weniger als 700 Euro auskommen. 33 Arbeitsstunden pro Woche werden direkt für das Studium aufgewendet, neun Stunden gehen drauf fürs Geldverdienen. Jeder Fünfte hat Migrationshintergrund. Sechs Prozent studieren mit Kind. Elf Prozent müssen im Studium mit gravierenden Gesundheitsproblemen zurechtkommen. Und gut jeder Fünfte in einem höheren Semester (28 Prozent) war schon zum Studieren im Ausland.

Was  wird studiert

Auch hier ergibt sich ein buntes Bild. An der Spitze der Fachgruppen liegen Mathematik- und Naturwissenschaften (22 Prozent), Ingenieurwissenschaften (21), Recht und Wirtschaft (18), Sprach- und Kulturwissenschaften (18) sowie Sozialwissenschaften, Psychologie und Pädagogik (14). Zwei von drei Studierenden (62 Prozent) streben einen Bachelor-Abschluss an, 22 Prozent den Master und 13 Prozent ein Staatsexamen.

Wo kommt das Geld her

Auch hier hat das Studentenwerk mit seiner Umfrage vom Sommer 2016 Mittelwerte herausgefunden. Der weitaus größte Teil der Studierenden (86 Prozent) wird von den Eltern unterstützt, und zwar durchschnittlich mit 541 Euro im Monat (Sozialerhebung 2012: 481 Euro). Sogenannte unbare Zuwendungen stiegen zuletzt im Schnitt auf 309 Euro (2012: 261) – beispielsweise als familiäre Mietzahlung für die immer teurere Studentenbude. Aus Jobs stecken Studierende 385 Euro in ihren Hochschulalltag (2012: 300 Euro). Die Jobber-Quote steigt – innerhalb von vier Jahren um sechs Punkte auf 68 Prozent.

Wer bezieht Bafög

DSW-Präsident Dieter Timmermann bedauert, dass 2016 nur 18 Prozent der Studenten Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhielten – die niedrigste Quote seit Beginn der 90er Jahre. Besonders erschüttert habe ihn, dass 37 Prozent derjenigen, die eigentlich Geld bekommen könnten, keinen Antrag stellen – aus Angst vor Schulden. „Wir müssen gemeinsam mehr fürs Bafög werben“, sagt er. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) geht davon aus, dass nach der Reform vom vorigen Herbst statt bisher 611 000 Studierenden bald wieder über 700 000 die staatliche Stütze erhalten. Der Höchstsatz wurde von Schwarz-Rot zuletzt nach sieben Jahren Stagnation auf 735 Euro erhöht.

Was kostet das Wohnen

Die Miete knabbert immer stärker am studentischen Budget. Nach den DSW-Daten sind dafür im Schnitt pro Monat 323 Euro fällig. Eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts geht sogar davon aus, dass bereits ein Platz in einer Wohngemeinschaft (WG) derzeit mit durchschnittlich 353 Euro zu Buche schlägt. Knapp zwei Fünftel der Studierenden wohnen allein (17 Prozent) oder mit Partner (21 Prozent) in der eigenen Wohnung, ein knappes Drittel (30 Prozent) in einer WG, jeder Fünfte (20 Prozent) noch bei den Eltern.

Wie ist die Lage in Heilbronn

Die Bafög-Wohnkostenpauschale (250 Euro) würde auch in Heilbronn nicht immer für ein Dach über dem Kopf reichen. Ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in einem Studentenwohnheim kostet zwischen 300 und – besonders teuer – im Puro in der Weststraße 895 Euro im Monat. Rühmliche Ausnahmen sind zwei Studentwohnheime, die das Studierendenwerk Heidelberg betreibt. In der Heilbronner John-F. Kennedy-Straße sind zwischen 173 und 153, im Gustav-Berger-Wohnheim 231 bis 264 Euro zu bezahlen.

 

Text: Werner Herp/Gertrud Schubert, Foto: dpa