Auslandssemester - Alles eine Frage der Organisation | hochschulenhoch3

Auslandssemester - Alles eine Frage der Organisation

16. Mai 2017 – Ein Semester im Ausland zu verbringen ist der Wunsch vieler Studierender. Die wichtigsten Fragen dabei: Wie bewerbe ich mich? Wie finanziere ich es und an wen kann ich mich wenden? Hochschulenhoch3 hat Gudrun Heller diese Fragen gestellt.

 

Da das Interview mit Frau Heller etwas länger ist, haben wir es in zwei Teile aufgeteilt. In Teil 2 erzählt sie, was man tun kann wenn man in ein Land möchte, in dem es keine Partnerhochschule gibt und welche Stipendien es speziell für das Auslandssemester gibt.

 

Frau Heller, wo möchten die meisten Studenten am liebsten hin?

Gudrun Heller: Innerhalb Europas ist das erste Ziel Spanien. Das hängt damit zusammen, dass unsere Hochschule mit mehreren Partnerhochschulen in Spanien kooperiert. Ebenso auch, weil in der Fakultät Internationale Betriebswirtschaft (IBE) Spanisch als Pflichtfach belegt werden kann. Deshalb möchten viele in ein Spanisch sprechendes Land.

Viele Bewerbungen gibt es auch für ein Auslandssemester in Russland. Das liegt am Studiengang Internationale Betriebswirtschaft Schwerpunkt Osteuropa, indem auch Russisch gelehrt wird. Der Studiengang Internationale Betriebswirtschaft Schwerpunkt Interkulturelle Studien (IBIS) ist teilweise auf die arabische Welt ausgerichtet. Dafür gab es die Möglichkeiten, in ein arabisches Land zu reisen. Dies ist aktuell wegen politischer Konflikte eingeschränkt. Davon mal abgesehen ist es eine sehr interessante Zielregion für Studierende. Natürlich ist auch die USA ein häufiges Wunschziel.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Studenten einen Platz an ihrer Wunschhochschule bekommen?

Gudrun Heller: Garantiert ist es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch. Wir versuchen selbstverständlich alle Studenten an den Partnerhochschulen unterzubringen, für die sie sich bewerben. Manchmal kann es sein, dass es nicht die Wunschhochschule wird, da die Plätze begrenzt und zu viele Bewerbungen eingegangen sind. Unsere Hochschule hat mit den Partnerhochschulen Verträge die uns erlauben, eine gewisse Anzahl an Studenten aufzunehmen. Je nach Hochschule variiert das. Bei ihrer Bewerbung können Studenten ein Zweit- und Drittwunschziel angeben. Wir versuchen, dass es dann dort klappt.

Was ist bei der Bewerbung zu beachten? Wird etwas Bestimmtes vorausgesetzt?

Gudrun Heller: Alle notwendigen Informationen für die Online-Bewerbung sind im Internet aufgelistet wie Lebenslauf, Motivationsschreiben und Notenspiegel. Ein wichtiger Punkt ist, dass das Grundstudium an der Hochschule abgeschlossen sein muss. Dies ist eine allgemeine Voraussetzung bei uns. Wichtig ist auch, die Bewerbung mit dem entsprechenden Ansprechpartner der Partnerhochschule abzustimmen und ein sogenanntes Learning Agreement zu absolvieren. Wir haben an allen Partnerhochschulen mindestens einen Ansprechpartner, der in der Regel auch Professor aus dem Fachgebiet vor Ort ist. Es wird geprüft, welche Fächer man für seinen Studiengang belegen kann und ob sie an der Hochschule anerkannt werden.

Was ist noch wichtig?

Gudrun Heller: Die sprachlichen Voraussetzungen. Selbstverständlich verbessert man seine Sprachkenntnisse im Ausland. Aber ohne Kenntnisse kann man keine Vorlesungen besuchen, Ausarbeitungen machen oder Prüfungen schreiben.

Wie läuft es mit der Unterkunft ab?

Gudrun Heller: Die Partnerhochschule meldet sich entweder direkt bei dem Studenten oder über uns. Hier werden alle Informationen für den Verlauf weitergegeben. Auch, ob es Studentenwohnheime gibt oder alternative Möglichkeiten, um sich eine Unterkunft zu suchen.

Was ist, wenn im Ausland etwas passiert und man einen Arzt braucht?

Gudrun Heller: Eine Krankenversicherung wird vorausgesetzt. Durch das Anerkennungsverfahren der Krankenversicherung innerhalb der EU sollte es da keine Probleme geben. Wenn man sich außerhalb der EU einschreiben lässt muss man darauf achten, welche Art von Versicherung verlangt wird. Diese wird meistens schon für das Visum vorausgesetzt, variiert aber von Land zu Land. Es ist einfach wichtig, dass man eine Absicherung hat.

Gibt es an der Partnerhochschule dafür einen Ansprechpartner?

Gudrun Heller: Ja. So wie wir uns um die In-Comings kümmern, gibt es an jeder Partnerhochschule ein International Office mit Ansprechpartnern.

Was, wenn man in einem Land studieren möchte, in dem es keine Partneruni der Hochschule gibt?

Gudrun Heller: Dann ist man ein sogenannter Free-Mover. Das Verfahren läuft nicht über uns, sondern der Student kümmert sich selbstständig um die organisatorischen Dinge. Man sollte das auf jeden Fall mit seiner Fakultät vorher absprechen und nachfragen, welche Fächer anerkannt werden. Klar ist: Das Bewerbungsverfahren ist aufwendiger und die Studiengebühren können deutlich höher sein.

Das heißt Frühzeitig anfangen? Gudrun Heller: Ja und natürlich auch genau hinschauen (lacht).

Der wohl wichtigste Punkt: Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben Studenten?

Gudrun Heller: Es gibt Stipendien, leider aber nicht das „eine Stipendium“ für alle. Es gibt verschiedene Arten von Stipendien, unter anderem das „Erasmus-Stipendium“, auch Stipendien für Hochschulen außerhalb des Erasmus-Programms. Die Bewerbung muss über das International Office eingereicht werden. Wir haben das Glück an der HHN, dass es ein Stiftungsstipendium gibt. Firmen und Stiftungen aus der Region geben jedes Semester Geld für Studierende, die ins Ausland gehen wollen. Dafür bewerben kann man sich zentral bei uns im International Office.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Stipendium bekommt?

Gudrun Heller: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht so gering, wie manche vermutlich denken. Auch hier muss man beachten, dass es sich um eine Bewerbung handelt: Es findet ein Auswahlverfahren statt, abhängig von der Art des Stipendiums. Die Stipendiengeber legen fest, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Man sollte es auf jeden Fall versuchen. Wichtig ist, sich rechtzeitig darum zu kümmern.

Ganz allgemein: Was möchten Sie Studenten, die ins Ausland gehen, mit auf den Weg geben?

Gudrun Heller:  Es gibt einen schönen Spruch: Man ist fast überall auf der Welt Ausländer. Diese Erfahrung selber zu machen ist das Wertvollste. Während der Zeit im Ausland lernen Studenten die Dinge zu schätzen, die sie hier haben. Vieles, was wir für Selbstverständlich halten, ist in den meisten Ländern eben nicht selbstverständlich. Das ist uns häufig gar nicht bewusst. Mit fällt beim Lesen der Erfahrungsberichten oft auf: Die Studenten wundern sich über die Gastfreundlichkeit anderer Länder. Ich frage dann: ‚Wie gastfreundlich sind Sie hier zu ausländischen Personen?‘ Diese Erfahrungen prägen Studierende und sind die Kostbarsten während eines Auslandssemesters.

Vielen Dank Frau Heller.

 

Text: Murtaza Sayan, Foto: Fotolia

Gudrun Heller

Gudrun Heller ist Leiterin des International Office an der Hochschule Heilbronn. Ihr Büro ist zuständig für Auslandsangelegenheiten der Hochschule, also für den Campus Sontheim, Am Europaplatz, Künzelsau und Schwäbisch Hall. Sie kümmert sich um den Austausch Studierender mit den Partnerhochschulen und um die entsprechenden Stipendien. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Betreuung der Incomings, also Studierende, die aus dem Ausland an die Hochschule kommen.