Brasilianische Kampfkunst für Jedermann

15. November 2016 – Brasilien – da denken die Meisten an Copacabana, Caipirinha und den Carnaval do Brasil. Aber welchen Sport machen die Brasilianer eigentlich? Capoeira, einer Mischung aus Kampf und Tanz. Seit dem Sommersemester 2016 kann man in Heilbronn Capoeira lernen – das Angebot gilt für Studierende der Hochschule Heilbronn und der Dualen Hochschule.

Ablauf des Trainings

Los geht's mit ausgiebigem Warmmachen. Das ist essentiell für Capoeira, denn in dieser Sportart kommt es vor allem auf Beweglichkeit und Kraft in den Beinen an. Nach der Erklärung einzelner Positionen, wie z.B. den Grundschritt „Ginga“, kommen im Laufe des Trainings verschiedene Kampfpositionen hinzu. Später werden auch Tritte und Kicks geübt. Wichtig ist auch der Rhythmus der Bewegungen – Capoeira ist eine tänzerische Kampfkunst. Der Kursleiter gibt mit einem „Berimbau“, einem der ältesten Instrumente der Welt, den Takt vor. Aus dem leicht hypnotisierenden Klang des Instruments ergibt sich das Tempo des Kampfes.

Das Highlight jeden Trainings: Der „Roda“. Alle Teilnehmenden stellen sich im Kreis auf, die Anwesenden unterstützen klatschend den Takt der Berimbau. Ab und zu werden traditionelle Gesänge angestimmt – dann wird es laut. Es folgt der Kampf: Abwechselnd formieren sich Zweier-Paare, die in das Innere des Kreises treten und dort die gelernten Übungen im Takt der Musik umsetzen. Kampf- und Tanzbewegungen verschmelzen mit der Musik und dem Klatschen der Gruppe – ein ästhetisches Spektakel, das alle Teilnehmenden und Besucher mitreißt.

Alternative zu den klassischen Sportarten

Johannes (20) ist seit letztem Semester mit dabei. Der HHN-Student hatte schon vorab Erfahrungen in Capoeira, was man an seinen geschmeidigen Bewegungsabläufen sieht. „Ich mag besonders die Mischung aus Bewegung und Musik“, sagt Johannes. „Es ist als würde man miteinander spielen. Jeder passt sich den Bewegungen des anderen an.“ Johannes ist überzeugt, dass Capoeira eine sehr gute Alternative zu den „klassischen“ Sportarten ist. „Ich kann es sehr weiterempfehlen.“

Gerade in der heutigen Zeit ist das Thema Integration wichtiger denn je. Capoeira ist eine gute Möglichkeit, um Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammenzubringen und gemeinsam Spaß am Sport zu haben. In Heilbronn sind Flüchtlinge in der Gruppe, die mit viel Spaß und Elan an den Trainings teilnehmen.

Termine

Die Trainings finden dienstags ab 20:00 Uhr im Gymnastikraum der Pestalozzi-Schule in Heilbronn statt. Der Einstieg ist immer möglich, da in jeder Stunde neue Übungen und Positionen gelernt werden. Jeder und jede Neue sollte lediglich viel Spaß und ausreichend Wasser mitbringen. Also nichts wie runter vom Sofa und ein bisschen brasilianische Lebensfreude in den kalten deutschen Winter bringen.

 

Text und Video: Katharina Bormann

 

 

Erklärung

Capoeira ist eine Mischung aus Kampf und Tanz und wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von Sklaven aus Afrika praktiziert. Das erklärt auch den Namen, der wörtlich übersetzt so viel wie „Gras“ heißt – angelehnt an die tägliche Arbeit der Sklaven auf den Feldern. Kam es zu Kämpfen unter den Sklaven, wurde Capoeira gekämpft. Dann hieß es, man würde nur „spielen“. Auch heute spricht man im Capoeira auch noch vom „Jogar“, also spielen anstatt kämpfen.