Als First Mover in China

30. Mai 2017 – „Raus aus der Komfortzone und etwas Neues kennenlernen“, die Einstellung trieb Malte Benz von der Hochschule Heilbronn für ein Semester nach China. Während seiner Zeit in Asien erlebte er viele kuriose Dinge, doch die Vorbereitungen waren schwierig: Der übliche bürokratische Dschungel vor Auslandssemestern war nicht die einzige Herausforderung, die der Student im Fach Betriebswirtschaft und Unternehmensführung (BU) meisterte.

So ließ die Rückmeldung der Partneruniversität Xiamen University auf sich warten. Nach einer quälend langen Zeit flatterte endlich die Zusage aus China ins Haus - woraufhin alle Vorbereitungen schnellstens erledigt werden sollten. Malte organisierte Visum, Impfschutz und wichtige Versicherungen, denn die Abreise stand kurz bevor. Am Abreisetag hatte er noch keine Unterkunft in Xiamen. So bestieg der Student mit wenigen Sicherheiten, aber viel Zuversicht das Flugzeug. Das Abenteuer China begann.

Das Wichtigstes nach Ankunft in China: So schnell wie möglich ein Zimmer finden. Die ersten Nächte verbrachte Malte in einem Hostel nahe der Universität - ein idealer Ort, um andere Studierende kennenzulernen, die auch auf Zimmersuche sind. Innerhalb weniger Tage wurden alle fündig.

Als First Mover an der Xiamen University

Malte ging gemeinsam mit zwei weiteren Studierenden als First Mover (ein „Vorreiter“) an die Partnerhochschule Xiamen University. Über viele Formalitäten und Abläufe, die zu erfüllen sind, hatte er nur durch den Austausch mit Kommilitonen erfahren. Ein Beispiel: Jeder Studierende muss sich vor Semesterbeginn neu an der Universität einschreiben. Um an der Uni zu bezahlen oder Bücher in der Bibliothek auszuleihen, benötigt man ein chinesisches Bankkonto.

Der Alltag an der Hochschule versetzte Malte in seine Schulzeit zurück. Es sind Hausaufgaben für die nächste Vorlesung vorzubereiten, zu Semesterende vergibt der Professor Noten für die mündliche Mitarbeit. Gewöhnungsbedürftig für einen deutschen Studenten, der in der Regel erst gegen Ende des Semesters mit dem Lernen beginnt. „Auch die zehn minütigen Pausen nach einem 45 Minuten Unterrichtsblock kenne ich noch aus der Schule“, erinnert sich Malte.

Unterwegs, um Land und Leute kennenzulernen

Trotz des zeitintensiven Studiums an der Hochschule blieb noch Freizeit, um den riesigen Kontinent zu erkunden. Man reist ja nicht alle Tage nach China. Malte war in einer Gruppe mit fünf weiteren abenteuerhungrigen Studenten unterwegs. Voller Erwartung, was das Land ihnen offenbaren würde. Zu den Metropolen Peking und Shanghai stand das Kontrastprogramm der umliegenden Nationalparks. Mit Trekkingschuhen und Rucksack ging´s zum Wandern in den Wuyishan National Park im Norden der Fujian Provinz. „Als Kind habe ich mich vor Wandertouren im Urlaub gesträubt. In China ist es beinahe Pflicht, wenn man die Natur, das Land und die Leute kennenlernen möchte.“

Der Kontakt mit den Menschen auf dem Land war schwieriger als erwartet. Sobald sie die Großstädte verließen, um einen Eindruck von dem traditionellen chinesischen Leben auf dem Land zu bekommen, scheiterte es meist schon an den ersten Worten. Die Menschen sprechen da in der Regel kein Englisch. „Die Kommunikation geht in erster Linie über Körpersprache oder über Bilder. Ein richtiges Gespräch kommt leider kaum zustande“, erzählt Malte.

Über Chinesische Taxis und ihre Fahrer

Der pflichtbewusste Chinese steht zu seinem Wort. Diese Erfahrung machte Malte bei einer kuriosen Taxifahrt den Berg hinauf zu den Wasserfällen. Die fünfköpfige Gruppe bestieg nach Aufforderung des Taxifahrers sein „DianDongSanLunChe“, ein Zwei-Mann-Taxi mit drei Rädern. Der Taxifahrer bestand darauf, die Gruppe den ganzen Berg hinauf zu fahren – unter heftigem Keuchen und Puffen des Taxis. Als es bergauf den Studenten durch den heißen Motor warm unterm Hintern wurde, machte sich Nervosität breit. Die Zweifel, ob das Taxi durchhalten würde, trieb der Gruppe den Schweiß auf die Stirn – nur nicht dem Fahrer, der entspannt sein Gefährt weiter den Berg hinauf steuerte. Am Ziel angekommen war die Erleichterung groß.

Umso überraschender für den Studenten und seine Gruppe, als sie nach ihrer Tour zu den Wasserfällen Xiongshi Pubu (heißt übersetzt „Mighty lion waterfalls“) auf der Suche nach einem Taxi von drei Männern zu einer Tasse Tee eingeladen wurden. Für Chinesen eine ungewöhnliche Geste, wird ihnen doch oft Zurückhaltung nachgesagt. Die Studenten nahmen die Einladung gerne an. 

„Für uns Europäer mag vieles fremd wirken, aber deswegen sollte man auf keinen Fall das Land nicht besuchen. Wer Interesse an China hat, dem rate ich, sich darauf einzulassen – es lohnt sich“, resümiert Malte. Zurück in Deutschland brauchte er wohl ein bis zwei Tage, um sich wieder einzuleben.

 

Text: Sarah Arweiler, Bilder: privat