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Wie ticken Start-ups?

28. November 2017 – Das eigene Start-up gründen – für wagemutige Optimisten klingt das nach einem spannenden Abenteuer. Was bedeutet es, aus einer Geschäftsidee ein Unternehmen aufzubauen? Professorin Elisabeth Müller vom Institut für Unternehmertum der German Graduate School (GGS) hakte bei einer Podiumsdiskussion mit zwei Gründern aus Heilbronn nach: Denis Falkenstein, Co-Founder von Everysize und Larissa Hauser, die sich als Yogalehrerin und Ernährungs- und Gesundheitsberaterin selbstständig gemacht hat.

Motivation

Beide Jungunternehmer waren zuvor als Angestellte beschäftigt. Denis arbeitete als Fotograf im Marketing. „Ich muss richtig Lust auf meine Arbeit haben, sonst funktioniere ich nicht. Das Geldverdienen steht für mich nicht im Vordergrund“, sagt er über sich selbst. Im Job kommt er an den Punkt, wo er beruflich eine Abwechslung sucht. Zu lange hat er das gemacht, was er macht, findet Denis. Zusammen mit Pascal Prehn und seinem Bruder Eugen gründet er des Start-ups Everysize – eine Suchmaschine für Sneakers, die Schuhe verschiedener Online-Shops nach der richtigen Größe durchsucht und nur die passenden anzeigt. Anfang Oktober war das Everysize-Team bei der „Höhle des Löwen“ bei Vox. „Eine verrückt krasse Erfahrung war das. Du hast drei Millionen Zuschauer 15 Minuten lang nur für dich.“ Für dieses Publikum zahle man an den Sender einen hohen Preis – sämtliche Rechte müssen per Vertrag abgetreten werden.

Die Betriebswirtin Larissa arbeitet als Einkäuferin in einem großen Versandhandel. Sie mag ihre Kollegen, die netten Gespräche in den kurzen Schokoladenpausen zwischendurch. Dennoch: Sie ist nicht glücklich. „Das war nicht mein Ding, nicht der Ort, wo ich hin will.“ In ihr wächst das Bedürfnis, den eigenen Weg zu gehen, wie Larissa sagt. Sie macht nebenher eine Ausbildung zur Yogalehrerin, später auch zur Ayurveda Ernährungs- und  Gesundheitsberaterin. Dann kündigt sie. In ihrem Start-up „Ayu happy“ vereint sie Joga, Meditation und Ayurveda-Beratung. Larissa bietet Yoga-Podcasts und Webinare an, Coachings über Skype. „Damit habe ich mir genau das geschaffen, was ich bin. Ich bin eine Einheit mit meinem Produkt, es gibt für mich nichts anders.“ Ihre Podcasts werden in den ersten sechs Monaten 30.000 Mal runtergeladen – diese Reichweite beflügelt. Zurück in ihren alten Job? Für Larissa ist klar: „Das ist keine Option für mich.“

Zukunftspläne

„Wo seht ihr Euch in einigen Jahren?“, will Elisabeth Müller von den beiden wissen. Larissa sprüht vor Energie. Sie hat mit ihrem Start-up Großes vor: Ein eigene "Ayu happy"-Akademie , wo sie selbst Yogatrainer ausbildet und Kurse für Gruppen und Unternehmen anbietet. „Speziell der Standort Heilbronn hat für mich den Vorteil, dass es kaum Yogalehrer gibt. Mein Konzept gibt es bisher nicht, ich habe also keine Konkurrenz.“ Mit ihren digitalen Angeboten ist Larissa ohnehin ortsunabhängig.

Denis Zukunftspläne sind minder bescheiden: „Wir wollen mit unserer Suchmaschine in jedem Land als Onlineshop vertreten sein und Onlineshops bei uns anbinden. Und das nicht nur für Sneakers.“ Angesprochen auf Heilbronn als Start-up-Szene ist er nicht so enthusiastisch wie Larissa – die Fühler sind bereits in Richtung Berlin ausgestreckt. „Als Start-up im Tech- und Klamottenbereich hat man es in der Hauptstadt einfacher, das ist nun mal so“, gibt Denis offen zu und schmunzelt: „Dafür gibt es in Heilbronn nicht so viele Ablenkungen.“

Nicht reden, sondern machen

Welche Tipps haben die beiden für Leute, die ein Unternehmen gründen wollen? Larissa: „Baut euch ein Netzwerk auf mit Leuten, die schon da sind, wo ihr hin wollt. Ihr müsst wissen, wo ihr die Infos herbekommt, die ihr braucht.“ In Heilbronn gebe es mehrere Gründungsberatungen: bei der IHK, in der Innovationsfabrik oder bei Frederik Metzger von der GGS. Denis: „Verschwende nicht so viel Zeit mit reden. Einfach machen, gehe deinen Weg. Denke nicht zu viel übers Scheitern nach. Dann geht es auch irgendwie weiter.“

 

Text: Sarah Arweiler, Fotos: GGS