Die Blüte gegen den Durst | hochschulenhoch3

Die Blüte gegen den Durst

8. Dezember 2017 – Hibiskustee als Erfrischungsgetränk – kommt das gut an? „Lass es uns versuchen“, denken sich Moataz Adam und sein Bruder Mazin 2015. In ihrem Heimatland Sudan wird diese Teesorte täglich getrunken – eine Art Nationalgetränk. „Hibiskustee hat einen hohen Vitamin-C-Gehalt, ist also gesund und sehr durstlöschend“, erklärt Moataz.

Wie starten?

Wie wird man Getränkehersteller? Die Brüder sind auf diesem Gebiet noch unerfahren. Der erste Schritt: Sich bei anderen Herstellern schlau machen und Kontakte zur Branche knüpfen. Sie recherchieren viel. Was gibt es schon auf dem Markt? Was können sie anders machen? Was brauchen sie alles? Das Wichtigste: Welches Rezept?

Moataz und Mazin tüfteln. Wie viel Hibiskus soll rein, wie viel Zucker? Vielleicht noch ein Schuss Zitrone? Die getrockneten Blüten bekommen sie direkt aus dem Sudan. Zuhause bieten sie ihrer Familie und Bekannten zwei unterschiedliche Mischungen zum Testen an – einmal mit, einmal ohne Kohlensäure. Die sprudelnde Rezeptur kommt besser an.

Ein Kuss Hibiskus

Mit dem Namen tun sich Moataz und Mazin schwer. Sympathisch soll er sein. Und kreativ. Sie überlegen, suchen nach Anregungen, grübeln. Plötzlich ist er da: Hibkuss. „Zwei Tage haben wir gefeiert, so froh waren wir über diesen Namen“, sagt Moataz. In einer Privatbrauerei lassen sie 2000 Liter abfüllen, das ergeben 6000 Flaschen. Genug für den Anfang.

In ausgewählten Bars in Heilbronn und der Umgebung vermuten sie potenzielle Hibkuss-Liebhaber. Zusätzlich bieten sie ihren Erfrischungstee in regionalen Getränkemärkten und im Onlineshop an. „Wir bekommen sehr gutes Feedback, Hibkuss kommt gut an“, freut sich Moataz. „Wir könnten deutlich erfolgreicher sein, wenn wir mehr Zeit investieren würden. Mein Bruder und ich machen das zusätzlich zu unserem regulären Beruf.“

Produktion eingestellt

In dem jungen Start-up steht bereits die erste Veränderung an: Ein neuer Name muss her. „Ein Mitbewerber hat Widerspruch eingelegt. Die Namen klingen zu ähnlich. Er hat sein Produkt zeitgleich mit uns angemeldet. Deshalb konnten wir bei unseren Recherchen noch nichts finden.“ Die Produktion ist vorerst eingestellt, unter dem Namen Hibkuss dürfen sie nicht weiter verkaufen.

Der Ärger ist groß – aber er vergeht. Was bleibt, sind die Erfahrungen. Sie sind für Moataz unbezahlbar. „Man lernt so schnell dazu. Würde ich das heute wieder machen, dann würde ich fast alles anders machen. Das weiß ich heute. Mein Motto: Wenn du was vorhast, dann zögere nicht – mach‘ es einfach.“

Hintergrund

Moataz Adam ist Projektingenieur, zusätzlich studiert er an der German Graduate School in Heilbronn den Master Innovations- und Technologiemanagement. Mazin ist selbstständig mit einem Laden für Sportbekleidung. 1997 verlässt ihre Mutter mit den vier Kindern das Heimatland Sudan und wandert nach Deutschland aus, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Moataz: „Unsere Mutter war Lehrerin, was im Sudan ein sehr angesehener Beruf ist. Als wir fortgingen, hat sie für uns alles aufgegeben. Wir sind ihr dafür so dankbar, dass wir ihr etwas zurück geben möchten. Das treibt uns an.“

Text: Sarah Arweiler, Fotos: privat/ Adobe Stock