Zurück zu den Wurzeln: Mando Diao | hochschulenhoch3

Zurück zu den Wurzeln: Mando Diao

12. Februar 2018 – Das geht runter wie Öl. Wie Bier. Wie ganz viel Bier. Regelrecht trunken macht Mando Diao seine 1500 Fans, die am Freitagabend ins ausverkaufte LKA Longhorn in Stuttgart pilgerten. Einst füllte die Band aus dem beschaulichen Borlänge nördlich von Stockholm die zehnmal so große Schleyerhalle. Trat in Fernsehshows wie „Wetten dass“ auf. Doch die Zeiten sind vorbei. Nach Ausflügen in den experimentellen Synthie-Rock und dem Musikprojekt Caligola, ja schlicht der Abkehr vom guten alten Rock’n’Roll, fängt die Band jetzt wieder ganz unten an. Für die treuen Fans, die sich von weißen Astronautenanzügen, Ku-Klux-Klan-Hauben und anderen Eskapaden in den vergangenen Jahre nicht abschrecken ließen, kann es nichts Besseres geben. Sie haben Mando Diao genau so zurück, wie sie die Band vor neun Jahren lieben lernten.

Rock'n'Roll

Die Neuorientierungsphase wurde im Mai 2017 mit dem Album "Good Times“ endgültig abgeschlossen und damit auch die Rückkehr zum tanzbaren Indiepop besiegelt. Eine solide Platte, die vielleicht nicht die Fans der Schrammelrock-Phase der ersten Stunde vollends überzeugt, aber Freude ihrer Erfolgesscheibe "Give Me Fire“ von 2009 kamen dank Nummern wie "Shake“ oder "All The Thinks“ endlich wieder voll auf ihre Kosten. In rund 100 Minuten bieten Sänger und Gitarrist Björn Dixgård, Bassist Carl-Johan Fogelclou, Schlagzeuger Patrick Heikinpieti, Keyboarder Daniel Haglund und Gitarrist Jens Siverstedt zum Start ins Wochenende eine peitschende und kreuzfidele Mischung aus Garage- und Punk-Rock mit dem charmanten Pop-Appeal der Sixties. Oder es ist es der smarte Pop-Appeal Schwedens? Wahrscheinlich beides.

Selbstverliebt

Mit dem Abschied von Gustav Norén musste Mando Diao vor zwei Jahren auf jeden Fall einen herben Schlag einstecken. Umso verständlicher, dass sich die restliche Band jetzt selbstverliebt feiern lässt und immer noch ein Stückchen mehr Ekstase vom Publikum erwartet. Das war genau wie das Scheinwerfergewitter, das ein ums andere Mal etwas zu viel. Ansonsten erfreute sich das Publikum an Gitarrenriffs, Ohrwürmern, aber auch einigen leisen Perlen. "Dance With Somebody" ist die letzte Zugabe, doch auch davor wurde getanzt am Freitag, im kleinen LKA. Und ganz viel Bier getrunken.

 

Text und Fotos: Milva-Katharina Klöppel