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Keine Eventhalle für junge Heilbronner

29. Juni 2017 – Es gibt keine Eventhalle für Jugendliche in der Heilbronner Hafenstraße. Ungewohnt deutlich im Ton sagte Oberbürgermeister Harry Mergel bei der Sitzung des Verwaltungsausschusses, was er von dem Projekt hält: Nichts. Er sprach von einer „fast zwei Jahre dauernden absurden Diskussion“, von „Etikettenschwindel“ und dass es an der Zeit sei, „die Kuh endlich vom Eis zu holen“. Den Stadträten gab er mit auf den Weg: „Wenn Sie so etwas wollen, dann stellen Sie bei den Haushaltsberatungen 2019/2020 doch entsprechende Anträge.“

Große Pläne

Im Sommer 2016 hatte die Heilbronner Gastrotreuhand GmbH & Co. KG mit Geschäftsführer und CDU-Stadtrat Thomas Aurich an der Spitze die Idee, in einer Lagerhalle des Logistik-Unternehmens Franz Alt an der Hafenstraße 11 eine Eventhalle für Jugendliche zu eröffnen. 1,6 Millionen Euro sollten investiert werden. Über das weitere Vorgehen wurde anschließend eifrig diskutiert.

Das im März 2017 vorgelegte Betreiberkonzept sieht vor, die etwa 1000 Quadratmeter große Halle an rund 104 Tagen zu öffnen. Von diesen 104 Tagen sollen 50 auf eigene Events und Partys, 20 auf türkische Hochzeiten, 11 auf Jugendveranstaltungen, 10 auf Firmenpräsentationen, fünf auf Tagungen und drei auf Bälle entfallen. „Wie man sieht, stehen nicht Jugendevents, sondern es steht der Kommerz im Mittelpunkt“, betonte Oberbürgermeister Mergel den wirtschaftlichen Charakter der geplanten Halle.

Um die Kosten bei Veranstaltungen zu decken, kalkulierten die Betreiber mit einer Miete von 2500 Euro. „Der Begriff Eventhalle für Jugendliche ist vor diesem Hintergrund irreführend“, sagte Mergel scharf. Das Areal, auf dem die Halle des Logistik-Unternehmens Alt steht, befindet sich im Eigentum der Stadt.

Argumente, die für die Verwaltung dagegen sprechen

Das Ordnungsamt meldete Bedenken hinsichtlich der Einhaltung von Lärmwerten, der Straßenprostitution und verschärfter Parksituation an. Sorgen hat die Verwaltung, dass sie sich finanziell engagieren muss. Zusammenfassend sagte Mergel: „Nach derzeitigem Planungsstand ist die Veranstaltungshalle an der Hafenstraße nicht zulässig.“ „Was schlägt die Verwaltung als eigene Lösung vor?“, fragten Alexander Throm und Nico Weinmann. Sie könne nicht nur ablehnen, sondern müsse Perspektiven aufzeigen, forderten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP. „So einfach, wie es sich der OB macht, geht es nicht“, warf Grünen-Fraktionssprecherin Susanne Bay ein.

Eine Studie der Hochschule Heilbronn habe vergangenen Freitag 58,1 Prozent Zustimmung für das Projekt ergeben und damit die jungen Räte bestätigt. Die Bauvoranfrage haben die Initiatoren zurückgezogen. „Wir konzentrieren uns nun auf drei weitere Projekte für eine lebendige, junge Stadt“, sagte Thomas Aurich.

„Die Halle entspricht nicht dem, was wir wollten“, erklärten die Jugendgemeinderäte Gregor Landwehr und Osman Cakir. Offen räumten sie ein, dass sie das in Heilbronn vorhandene Angebot mit knapp 30 Veranstaltungsstätten kaum kennen.

 

Text: Joachim Friedl, Animation: Udo Richter, Foto: Dennis Mugler