Influencerin Luisa aus Erlenbach | hochschulenhoch3

Harte Arbeit für schöne Fotos

23. März 2018 – Lange blonde Haare, ein süßer Schmollmund, blaue Augen – das ist Luisa de Alzaga Achter aus Erlenbach. Auf Instagram betreibt die 18-jährige Abiturientin seit drei Jahren den Account Luladouce. Mit großem Erfolg: Egal ob Sneakers, ein Stück Erdbeerkuchen oder eine Porträtaufnahme am Strand, kaum ein Foto hat weniger als 500 Likes. Im Interview erzählt Luisa mehr über ihr Leben als Influencerin und warum sie mittlerweile einen zweiten Account gestartet hat.

Auf deinem Instagram-Profil Luladouce besitzt du mehr als 11500 Follower. Wie viele von denen kennst du persönlich?

Luisa: Durch meine Familie, Reisen und Events kenne ich tatsächlich viele Leute persönlich. Trotzdem ist das mit geschätzt 300 bis 400 Personen ein verschwindend geringer Anteil. Vom Sehen sind das zwar bestimmt mehr, aber bei denen kann ich nicht behaupten, sie wirklich zu kennen. Besonders nach meinem zweimonatigen Amerika-Aufenthalt hatte ich auf einmal sehr viele Follower. Gefühlt hat mich da direkt die ganze Schule abonniert, obwohl ich von den meisten nicht mal den Namen kannte.

Hattest du gezielt ge­plant, so viele Follower zu bekommen?

Luisa: Als Instagram rauskam, war ich gegenüber der neuen App erstmal sehr skeptisch. Mit der Zeit ist sie mir durch meine Liebe zum Fotografieren und zum Fotografiertwerden immer sympathischer geworden. Irgendwann begann ich spaßeshalber Shoutouts* mit anderen Instagram-Seiten. Dadurch bekam ich immer mehr Follower, wodurch ich merkte, dass man dort richtig was machen kann. Gerade durch Shoutouts, aber auch durch Gewinnspiele, Verlinkungen und Hashtags habe ich die Anzahl an Followern erreichen können.

Wie viel Zeit investierst du ungefähr in Instagram?

Luisa: Besonders das Bildermachen kostete mich sehr viel Zeit, da es hier in der Ortschaft sehr schwer ist, gute Locations zu finden. Ich habe teilweise einen ganzen Tag lang von morgens bis abends Bilder in unterschiedlichen Outfits geschossen, damit ich in der nächsten Woche irgendwas posten konnte. Die musste ich im Nachhinein allerdings immer noch bearbeiten, um den Influencer-Ansprüchen zu genügen. Das ging im Urlaub eindeutig schneller. Zusätzlich machte ich oft bei verschiedenen Gewinnspielen oder Shoutouts mit, um meinen Account irgendwie nach vorne zu pushen. Man kann sich vorstellen, dass ich sehr viel Zeit investieren musste, damit ich mindestens jeden zweiten Tag ein Bild posten konnte.

Hattest du Vorteile durch Instagram, zum Beispiel bei Werbegeschenken?

Luisa: Zweimal wurden mir Artikel von kleineren Start-up-Unternehmen zugeschickt, die mich baten, für sie Werbung zu machen – für einen Lippenstift und ein T-Shirt. Das sind natürlich nur ganz kleine Sachen, aber es ist trotzdem cool gewesen, sowas einfach für ein Foto geschenkt zu bekommen. Mir geht es bei Instagram aber nicht darum, Werbegeschenke einzusammeln, sondern um das Influencer-Dasein an sich.

Warum hast du vor zwei Jahren deinen erfolgreichen Account auf Eis gelegt, wenn es dir doch eigentlich gefällt?

Luisa: Aufgrund meines bevorstehenden Abiturs habe ich beschlossen, mit Instagram zu pausieren, um mich vollständig aufs Lernen zu konzentrieren. Nach dem Abitur habe ich aber auf jeden Fall vor, mit Instagram weiterzumachen. Dann allerdings mit meinem neuen Account Luisa Alzaga. Der alte ist mir langsam zu sehr in die Beauty- und Make-up-Branche reingerutscht, was mir selbst einfach nicht mehr entsprochen hat. Mit dem neuen Profil habe ich vor, mich mehr auf Reisen und fremde Kulturen zu konzentrieren, um andere damit zu inspirieren.

Kannst du anderen Jugendlichen Tipps geben, was das Influencer-Dasein betrifft?

Luisa: Falls jemand Spaß daran hat, Fotos von sich und seiner Umgebung zu posten und das gerne auch im größeren Stil machen möchte, kann ich Instagram wärmstens empfehlen. Man muss sich allerdings auch bewusst sein, welche Arbeit dahinter steckt und wie viel Zeit man reinstecken muss, wenn man jemals zu den wirklich Großen gehören möchte. Für mich ist es perfekt, weil es alles verbindet, was ich liebe: Sport, Reisen und in gewissen Maßen auch Beauty. Außerdem kann ich selber entscheiden, welche Motive ich fotografiere oder was ich vor der Kamera mache, wodurch ich alles selbst in der Hand habe. Dementsprechend sehe ich die Zeit nicht mehr als Arbeit an, sondern als Spaß und mache es wirklich gerne.

Gibt es irgendwelche Grundvoraussetzungen, um Influencer zu werden?

Luisa: Ich bekomme gerade von meinen Freunden des Öfteren gesagt, was Instagram angeblich sei – ein hübsches Gesicht, paar Bilder und sonst nichts. So einfach ist es doch wieder nicht. Zum einen muss man Spaß daran haben, zu fotografieren und fotografiert zu werden. Zum anderen gehören auch ein gewisses Talent und das richtige Auge für gute Situationen dazu. Am Ende braucht man sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen, um das auf eine längere Zeit durchzuziehen. Aber so ist es ja schließlich bei jedem Beruf. Jeder Beruf hat gewisse Grundvoraussetzungen, und der Beruf des Instagramers hat eben diese.

Welche Gefahren gibt es?

Luisa: Man muss sehr aufpassen, was man postet. Was einmal im Internet landet, bleibt auch für immer im Internet. Dir muss bewusst sein, dass nicht nur deine Freunde und Follower deine Bilder sehen, sondern womöglich auch dein zukünftiger Arbeitgeber – selbst wenn die Bilder schon vor langer Zeit gelöscht wurden. Dementsprechend sind irgendwelche Partybilder auch immer sehr kritisch zu betrachten. Ich kann jetzt noch von keinem Bild sagen, dass ich bereuen würde, es gepostet zu haben. Das kann natürlich trotzdem sehr schnell passieren und wer weiß, wie ich in zehn Jahren darüber denken werde.           

 

* Was sind Shoutouts?

Bei einem Shoutout macht ein Profil mit einer höheren Anzahl an Followern Werbung für ein anderes, kleineres Profil. Der Influencer schreit sozusagen ­mit seiner Verlinkung laut heraus, wie gut er den anderen findet, und sorgt dadurch für einen deutlichen Zugewinn an Followern bei dessen Profil.

 

Text: Alina Buss, Fotos: Dennis Mugler