Heilbronn: Keine Lösung für urbane Mobilität | hochschulenhoch3

Keine Patentrezepte für urbane Mobilität

7. November 2017 – Was kann man gegen Stau, Parkplatznot und Verspätungen im öffentlichen Personennahverkehr unternehmen? Wann kommt das autonome Fahren? Mit diesen Fragen haben sich mehr als 200 Experten und Studierende bei den Heilbronner Verkehrsgesprächen befasst.

Stau, Feinstaub, Parkplatznot und dann auch noch notorisch zu spät kommende S-Bahnen. Man muss gar nicht mit dem Finger auf das verkehrsgequälte Stuttgart zeigen. Sicher ist in jedem Fall: Wie bisher kann es nicht weitergehen.

Eine bloße Weiterentwicklung althergebrachter Verkehrskonzepte wird das alltägliche – und wachsende – Chaos in den Städten nicht beseitigen. Von den Klimaproblemen ganz zu schweigen. Bei den Heilbronner Verkehrsgesprächen befassten sich mehr als 200 Experten und Studierende mit urbaner Verkehrsinfrastruktur. 

Autonomen Fahren frühestens in den 2030er/40er Jahren

Elektrisch, vernetzt und autonom muss der Verkehr in nicht allzu ferner Zukunft durch die Stadt pulsieren. Stefan Heimlich, der Vorsitzende des Auto Club Europa, hält es für möglich, dass ab 2022 autonome Fahrzeuge verfügbar sind: „Technisch ist das machbar.“ Ob sich das der Autofahrer allerdings leisten möchte, stehe auf einem anderen Papier. Eine Marktdurchdringung des autonomen Fahrens kann er sich frühestens für die 2030er/40er Jahre vorstellen. Das elektrisch angetriebene Fahrzeug wird sich rascher durchsetzen. Darin ist er sich mit den anderen Referenten der Verkehrsgespräche in der Hochschule Heilbronn einig.

Sogar Professor Raoul Zöllner, Chef der Heilbronner Forschung zum autonomen Fahren, mag da nicht widersprechen. Wolf Engelbach vom Stuttgarter Verkehrsministerium zeigt sich angesichts des wieder angestiegenen C02-Ausstoßes sehr skeptisch, die 40 Prozent Reduktion bis 2020 zu schaffen.

„Wir sind auf dem völlig falschen Weg“, sagt er pessimistisch. Der Digitalisierung räumt er dennoch ein, zur Lösung der Verkehrsprobleme beizutragen. Ein Beispiel: Das Digitalisierungsprojekt „move BW“, eine Datenplattform, die in Stuttgart Verkehrsinfos in Echtzeit sammelt und abrufbar macht. Das lasse sich sicher auch auf andere Städte übertragen.

 

Text:  Gertrud Schubert, Foto: Christian Gleichauf