Das erste Mal an der Wahlurne | hochschulenhoch3

Vorfreude auf das erste Mal

22. September 2017 – Lange Jahre mussten sie warten. Zuschauen, wie Eltern, Verwandte und Unbekannte ihre Zukunft bestimmten. Das ist vorbei: Am Sonntag nehmen 3800 Heilbronner Jungwähler erstmals an einer Bundestagswahl teil. Für 1400 ist es die allererste Wahl – sie sind Erstwähler. Obwohl die Entscheidung bei der Premiere noch etwas schwer fällt: Zur Wahl gehen wollen alle Erstwähler, die wir in der Innenstadt befragt haben.

Keine Hilfe durch den Wahl-O-Mat

„Man fühlt sich jetzt nicht übermächtig, als könnte man alles entscheiden“, gibt Florian Rebmann (20) zu. Das Kreuz zu machen sei zwar wichtig, aber auch eher unspektakulär. Trotzdem findet er: „Es ist wichtig, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Wir sollten es mehr wertschätzen.“ Der Student hat sich noch nicht entschieden: „Aber das Angebot ist so groß, dass für alle etwas dabei ist.“ Nicht geholfen hat ihm der Wahl-O-Mat: „Die Ergebnisse sind etwas ungenau.“ Aber das Infomaterial der Bundeszentrale für politische Bildung sei gut. „Und ich hab’ mich mit Freunden unterhalten, die politisch fitter sind als ich“, gibt er grinsend zu.

Noch untentschlossen

Wählen? Dennis Maier (18) winkt ab. „Nein, das mache nicht. Für Politik habe ich mich nie interessiert.“ Das lässt Freundin Melissa Neubert (18) nicht gelten: „Wenn du nicht wählst, bestimmen andere, wer in den Bundestag kommt. Das sind auch Parteien, die du nicht magst.“ Sie fügt hinzu: „Ausschlaggebend ist eine einzelne Stimme nicht. Aber ich will trotzdem nicht, dass andere für mich entscheiden.“ Nun hat sie auch ihren Freund umgestimmt. Sie geht in jedem Fall hin, erklärt Melissa Neubert, gibt aber zu: „Ich weiß noch nicht, wem ich die Zweitstimme gebe.“

Welche Parteien er nicht mag? Da wird Luca Braunagel (19) konkret: „Jede nicht abgegebene Stimme ist eine verlorene und spielt der AfD zu.“ Braunagel weiß, wen er wählt. Das Parteiprogramm der FDP hat er genau gelesen, dazu die Zusammenfassung der anderen. Auch die TV-Debatten hat er sich angesehen. „Ich freue mich, dass ich wählen kann. Man wird Teil von etwas ganz Großem“, sagt Braunagel.

Wählen als Pflichtsache

Jenny Arpogaus (20) hat bereits bei der Landtagswahl 2016 gewählt: „Das ist doch unsere Pflicht“, meint sie. Aber die erste Bundestagswahl sei etwas Besonderes: „Es geht ums ganze Land.“ Sie interessieren die Themen Bildung, Pflege und Asyl. „Der Autoskandal beschäftigt mich nicht“, bekennt die Auszubildende, die keinen Diesel fährt. „Wenn ich eine eigene Partei erfinden könnte, würde ich es vielleicht machen.“

„Nervös bin ich nicht“, sagt Daria Nowak (21). Die Auszubildende hat sich mit Eltern und Freunden ausgetauscht, bevor sie ihre Entscheidung getroffen hat. Vor der Wahl ist das ein gutes Gesprächsthema. Aber nach dem Wahlsonntag leider nicht mehr: „Man kann hierzulande nicht offen darüber reden, wen man gewählt hat.“ Das findet sie schade.

 

Text und Fotos: Torsten Büchele